Der kleine Igel

von Alexandra Wimmer / Geschichten zum Wundertanken

Der kleine Igel träumte davon, den höchsten Baum des Waldes zu erklimmen. Von dort, dachte er, würde er die ganze Welt sehen können! Es gab nichts, das er sich sehnlicher wünschte.

Mit seinen kleinen Füßen tappte er rund um den Baum, fand bald einen Stein, bald einen Ast, und Zentimeter für Zentimeter erklomm er ein Stück des Baumes. Doch sosehr er sich auch bemühte, immer wieder rutschte er ab. Enttäuscht kehrte er zu seiner Igelmutter zurück.

"Ich bin so traurig", sagte er, "ich habe versagt. Ich schaffe es nicht, auf den Baum zu klettern!"

"Du hast keineswegs versagt", antwortete die Igelmutter, "im Gegenteil. Du hast gelernt. Bisher hast du gelernt, wie es nicht funktioniert. Wenn du dranbleibst, wirst du bestimmt bald lernen, wie es funktioniert."

Als Kind hätten wir nie gehen gelernt, hätten wir schnell aufgegeben. Wir sind laufend umgefallen, haben lernen müssen, wie wir unsere Füße belasten, das Gewicht verteilen können, bevor die ersten wackeligen Schritte geklappt haben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir unzählige Fehlversuche. Hätten wir damals nach dem Motto: „Wenn ich umkippe, habe ich versagt“ gelebt, würden wir noch auf allen Vieren durch die Welt robben.
Fehler zu machen bedeutet, zu lernen. Versuch und Irrtum. Immer wieder, bis etwas klappt.
Wann genau haben wir uns diese Chance abgewöhnt und stattdessen begonnen, uns für Fehler zu schämen? Von irgendwoher das Gedankengut übernommen, dass man keine Fehler machen darf? Wer Fehler macht, sei nicht gut genug?
Man sagt Thomas A. Edison nach, er hätte tausend Versuche gebraucht, bis die Glühbirne funktionierte. Angeblich hat er damals gesagt, er hätte keinen einzigen Fehlversuch gehabt. Er hätte 999 Möglichkeiten gefunden, wie es nicht funktioniert und dann eine Möglichkeit, wie es funktioniert. Vielleicht würden wir noch im Schein von Gaslampen sitzen, hätte er nicht durchgehalten.

Wie viele wundervolle Ideen könnten Realität werden, würden wir sie umsetzen, egal wie viele Möglichkeiten wir finden, wie es nicht funktioniert?

Wie stehen Sie zu Fehlern?
Welche Idee haben Sie nicht umgesetzt?
Was hat Sie davon abgehalten Ihre Idee umzusetzen?
Was könnten Sie stattdessen denken damit Sie sie umzusetzen?

 

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