Der Wanderer und der weise Mann

von Alexandra Wimmer / Geschichten zum Wundertanken

Vor langer, langer Zeit trug es sich zu, dass ein Wanderer an eine Weggabelung kam. Erschöpft ließ er sich am Wegesrand nieder. Ihm war, als wäre nur ein Wimpernschlag vergangen, da saß plötzlich ein weiser Mann neben ihm.
"Ich habe ein Problem", sagte der Wanderer.
"Was möchtest du stattdessen? Wie könnte eine Lösung aussehen?", fragte der weise Mann.
"Ich kann den richtigen Weg nicht finden", sagte der Wanderer.
"Was hast du früher getan, um den richtigen Weg zu finden?", fragte der weise Mann.
"Das wird schwierig", sagte der Wanderer.
"Was kannst du tun, damit es leichter wird?", fragte der weise Mann.
"Solche Wege sind immer schwierig", sagte der Wanderer.
"Was hast du gerade deswegen auf solchen Wegen gelernt?", fragte der weise Mann.
"Ich schaffe das nicht", sagte der Wanderer.
"Was kannst du dir aneignen, damit du das schaffst?", fragte der weise Mann.
"Das schaut übel aus", sagte der Wanderer.
"Was schaut gut aus?", fragte der weise Mann.
"Der Weg ist wahrscheinlich ohnehin zu lang", sagte der Wanderer.
"Jeder auch noch so kleine Schritt macht den Weg kürzer", antwortete der weise Mann.

Wohin lenken Sie Ihren Blickwinkel? Auf das Problem, oder auf mögliche Lösungen? Die Richtung des Blickwinkels ist entscheidend dafür, wie Sie sich fühlen. Ob Sie sich als Opfer, oder als Gestalter fühlen. Ob Sie sich machtlos, oder machtvoll fühlen.
In der Geschichte vom Wanderer und dem weisen Mann hat der Wanderer den Problem-Blickwinkel eingenommen, währenddessen ihm der weise Mann Fragen stellt, um den Blickwinkel auf mögliche Lösungen zu lenken.

Ein Experiment:

  • Denken Sie jetzt richtig intensiv an ein Problem: An etwas, das Sie nicht können oder nicht haben. Oder an etwas, das schon fertig sein sollte, aber nicht ist. Oder an etwas, das Sie machen sollten, aber die Zeit dafür noch nicht gefunden haben. An den Stress, den Sie haben. ...

Hoppla! --- Spüren Sie, wie Sie sich dabei schlecht und schlechter fühlen? Wie es abwärts geht? In der Abwärtsspirale fallen Ihnen bestimmt noch mehr Dinge ein, die schlecht sind.

  • Denken Sie jetzt an eine Lösung: An etwas, das Sie geschafft haben. Oder an etwas, das Sie schon haben, etwas, über das Sie sich freuen. Oder denken Sie an Ihre Fähigkeiten und Stärken. 

Na? --- Spüren Sie, wie Sie sich besser fühlen? Wie es aufwärts geht? In der Aufwärtsspirale fallen Ihnen bestimmt noch mehr Dinge ein, die gut sind.

In bestimmten Situationen kann es angebracht sein, sich mit einem Problem zu beschäftigen, um durch die Analyse essentielle Ursachen festzustellen und beheben zu können.
Den Blickwinkel auf das Problem zu richten hemmt meist die Freude und Kreativität für die Lösungsfindung und kreiert bei allen Beteiligten ein für Lösungen ungünstiges Erleben der Situation.

 Wohin lenken Sie Ihren Blickwinkel?
Mit den Fragen des weisen Mannes können Sie Ihren Blickwinkel (und den anderer) jederzeit auf mögliche Lösungen lenken!

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