Das Chamäleon, das gesehen werden wollte

von Alexandra Wimmer / Geschichten zum Wundertanken

Es war einmal ein Chamäleon, das lebte auf einem farbenprächtigen Baum. Eines Tages hörte der Baum das Chamäleon schluchzen.
"Chamäleon, was ist denn los?", fragte der Baum.
Das Chamäleon antwortete: "Wohin ich auch gehe, immer ändern sich meine Farben und passen sich dem Umfeld an. Niemand sieht mich! Ich möchte endlich gesehen werden!"
"Hmmm, das ist deine Natur und hat ganz viel Gutes", meinte der Baum nachdenklich. "Chamäleon! Ich habe eine Idee!" Und flugs formte der Baum mit seinem Holz folgende Buchstaben: Suchspiel! Wer sieht das Chamäleon?

Am nächsten Tag kamen zwei Tiere des Weges, die blieben neugierig stehen und suchten und suchten, bis sie das Chamäleon entdeckt hatten. Es sprach sich herum und immer mehr Tiere kamen, um das Chamäleon zu sehen. Was hatten die Tiere bei der Suche für einen Spaß! Und erst das Chamäleon! Es freute sich über allen Maßen, dass sich seine Farben stets anpassten und es somit jedes Mal ein begeistertes Hurra auslöste, sobald es entdeckt wurde.
Das Chamäleon war überglücklich!

In dieser Geschichte konnte das Chamäleon unmöglich seine Natur, sich farblich der Umwelt anzupassen, verändern. Somit hatte der Baum eine Möglichkeit gefunden, die Anlagen des Chamäleons so zu nutzen, dass es glücklich wurde.
Im Endeffekt hat genau das, das das Chamäleon anfangs als Blockade wahrnahm (seine Farben passen sich dem Umfeld an), in einem veränderten Kontext (das Suchspiel) zu seiner Wunscherfüllung beigetragen und zu viel Freude geführt.

Manchmal schätzen wir etwas an uns nicht so sehr. In einem veränderten Kontext jedoch könnte sich genau das als wahre Stärke erweisen.

Ein Beispiel: Mir wird nachgesagt, dass ich stur sein kann. Diese sogenannte Sturheit ist ein wahrer Schatz, wenn es um die Fertigstellung von Projekten geht. Ich bin so lange stur dahinter, bis das Projekt abgeschlossen ist. Plötzlich ist es nicht mehr Sturheit, sondern Ausdauer.

 Suchspiel! Sehen Sie Ihre Stärken?

Was schätzen Sie an Ihnen?
Was schätzen Sie an Ihnen nicht so sehr? In welchem Kontext/welchen Situationen könnte sich genau das als Stärke erweisen?

Wie sehr sehen Sie die Stärken anderer?

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