Wie aus dem Leuchter ein Kronleuchter wurde

von Alexandra Wimmer / Geschichten zum Wundertanken

In einer Nebenkammer eines Schlosses hing einmal ein Leuchter. Dieser hatte nur sechs Flammen und wurde kaum beachtet.
Eines Tages geschah es, dass sich zwei Flammen stritten. Sie stritten so heftig, dass sie sich weigerten, weiter zu brennen. Alsdann diskutierten die anderen Flammen, wer daran schuld sei, dass es jetzt weniger Licht gab. Die Schuld wurde von einer Flamme zur anderen geschoben. Da begannen alle Flammen zu streiten, bis sich auch die letzte weigerte, weiter zu brennen. Es wurde dunkel.
Die Zeit verging. 
Eines Tages hörte man die Stimme einer Flamme: "Ich höre auf, darauf zu warten, dass eine von euch den ersten Schritt macht. Ich mache ihn selbst. Ich möchte euch ein Kompliment machen. Ich finde euer Licht wunderschön und wenn wir zusammen leuchten, erhellen wir jede Nacht. Jede von uns ist wichtig."
Sie ließ ihr Licht wieder aufflammen und nach und nach taten die anderen es ihr gleich, bis alle Flammen wieder hell erstrahlten. Sie waren so erleichtert, dass sie sich wieder verstanden! Sie erzählten sich, wie sehr sie einander und ihr Leuchten schätzten. Und mit jedem Wort erstrahlte ihr Licht noch heller. 
Eines Tages kam der Schlossherr in die Nebenkammer und betrachtete interessiert den Leuchter. "Ich werde dich in den prächtigsten Saal des Schlosses hängen lassen", murmelte er. "Du bestehst nur aus sechs Flammen, dennoch erstrahlst du heller als der größte Kronleuchter. Ab jetzt sollst du mein prächtigster Kronleuchter sein!“.

Eine Schuld jemanden anderen anzudichten ist wohl eines der gängigsten Spiele der Welt.

Unser Körper besteht aus über 50 Billionen Zellen. Von der Epigenetik wissen wir, dass jede Zelle höchst lebendig und begierig darauf ist, unseren Gedanken zu folgen. Jeder Mensch ist somit Kapitän von 50 Billionen Matrosen, die jeden Gedanken-Befehl ausführen.

Wenn wir in einem Problemen verharren (im Dunkeln bleiben), anstatt nach Lösungen zu suchen (das Licht aufdrehen), geben wir unseren 50 Billionen Matrosen die Anweisung, uns schlecht zu fühlen.

Das heißt, wenn wir den ersten Schritt zur Versöhnung machen, tun wir uns selbst etwas Gutes damit. Wenn wir uns eine Veränderung wünschen, dann tun wir gut daran, selbst diese Veränderung zu zeigen. Andere Menschen können wir nicht verändern. Sie reagieren auf unsere Aktionen. Ändern wir jedoch unsere Aktion, verändert sich deren Reaktion. Verändern wir also uns selbst, so verändern wir das, was wir im Außen erleben.

Jemanden ein Kompliment zu machen zeigt Wertschätzung und Aufmerksamkeit und kann ein Strahlen in dessen Gesicht zaubern. Was hätten wir für eine wundervolle Welt, würden wir uns gegenseitig sagen, wie sehr wir uns freuen, dass es den anderen gibt?

Welche Veränderungen wünschen Sie sich?
Wie könnten Sie selbst der erste Schritt zu dieser Veränderung sein?
Wem könnten Sie heute ein Kompliment machen?

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