ÖFFLINE – Analoges Strandleben auf der Insel der Seligen
Es geschah nach einem Vatikanbesuch des österreichischen Bundespräsidenten Franz Jonas im November 1971, dass eine beiläufig zugeraunte päpstliche Bemerkung Flügel bekam. Als Isola felice bezeichnete Papst Paul VI. damals anerkennend das zwischen Ost- und Westinteressen eingekeilte, noch relativ junge Österreich. Blumig eingedeutscht sollte es als Insel der Seligen viele Jahrzehnte lang die Runde im Blätterwald machen. Doch die Republik Österreich führte vor Smartphone und Internet auch in anderer Hinsicht ein Inseldasein.
Was alle Österreicher:innen der damaligen Zeit verband, war neben den großen
Tageszeitungen der ORF mit seinem Radio- und Fernsehprogramm als unangefochtener Hauptlieferant für Bildung, Kultur, Politik und Unterhaltung. Zwar gab es Kabel- und Satellitenfernsehen bereits Anfang der 80er, doch es sollte bis in die 90er dauern, ehe Sendungen aus dem Ausland dem ORF-Angebot in Sachen Publikumsgunst ernstlich Konkurrenz machten.
Und so gingen Hunderttausende Österreicher:innen wie eine Schicksalsgemeinschaft durch ein sorgsam geteiltes Wunderland:
Am Dam Des, Kasperl und Pezi, Biene Maja, Wickie und die starken Männer, Raumschiff Enterprise, Knight Rider, Trailer, Wetten, dass ..? – in Ermangelung
von anderen Sendern bzw. einer Auswahl an vielfältigem Content schafften diese
Sendungen das, was heutzutage nicht mehr möglich ist: das Leben in einer riesigen nationalen TV-Bubble, der man sich so gut wie nicht entziehen konnte.
Das ist wohl ein Hauptgrund dafür, dass Retro heute dermaßen populär ist:
Ein Zurückdenken in die 70er, 80er und 90er ist – egal, mit wem man gerade im
Gespräch ist – ein Zugriff auf den gleichen Erfahrungsschatz, die gleichen Held:innen und die gleichen Bilder im Kopf. Dass so gut wie jedes Klassenfoto aus dieser Zeit exakt gleich aussieht, ist gleichzeitig befremdlich und beruhigend.
Mit dem Österreich-Nachfolgeband zu Offline – Die Welt der 70er, 80er und 90er
in mehr als 100 Begriffen wollen wir erneut an eine Zeit erinnern, die vielleicht nicht so bunt, vernetzt und vielfältig gelebt wurde wie heute, die aber mit Sicherheit weniger hektisch und fordernd war, weil Nachrichten, Likes, Kommentare, Bewertungen und Empfehlungen nicht ohne Unterlass digital auf einen einprasselten und analoge Fotos, Briefe und Begegnungen weitaus mehr Zeit
in Anspruch nahmen als heute.
Dass das analoge Inselleben damals aber nicht unbedingt gänzlich anders war, ist auch immer wieder schön zu sehen.
Wirklich charmant verpacktes Know-How zu den interessanten Highlights der 70er bis 90er Jahre. Immer mit einem Zusatzwissen, das vermutlich viele nicht wussten – bis zu diesem Buch. Wunderbar!


























